Bericht: Zu viele Patzer in der Defensive

Zu viele Patzer in der Defensive

Kategorie: Herren I   |   Datum: 03.06.2018

Im Schnitt kassiert Gernsheim drei Gegentore / Kader soll größer werden / Aktan Ak wird Sportlicher Leiter

GERNSHEIM - Nein, mit dem Abstieg wollten sie wirklich nichts zu tun haben, spekulierten auf einen Mittelfeldrang, und nun das: Concordia Gernsheim belegt auch vor dem finalen Spieltag der Fußball-Kreisoberliga Damstadt/Groß-Gerau den Relegationsrang. Das einzige Team, das noch in Reichweite ist, ist der FCA Darmstadt. Der ist beim Lokalrivalen SG Arheilgen gefordert, „und die zwei Teams sind sich nicht grün. Das ist gut für uns“, glaubt der Concordia-Kassierer zu wissen, der am Sonntag gutes Geld kassiert: Etwa 200 Fußballfans finden den Weg zum erst zwei Jahre alten Kunstrasenplatz.

„Es wäre so wichtig, unseren nachrückenden Jugendlichen eine attraktive Klasse wie die Kreisoberliga zu bieten“, hofft Spielausschussboss Michael Pleier auf eine Rettung in buchstäblich letzter Sekunde. 13 Jugendteams hat die Concordia ins Rennen geschickt, bis einschließlich C-Jugend ist der Klub sogar mit je zwei Teams vertreten.

Noch eine Stunde bis zur Partie gegen die Spvgg. Seeheim-Jugenheim – Zeit, um die zu Ende gehende Saison Revue passieren zu lassen. Pleier findet klare Worte: „Die Runde war beschissen“ – sieht man vom überragenden Saisonstart ab, als vier Siege in Folge glückten. Doch dann fielen Leistungsträger lange aus. Samir Mahioui weilte zunächst zwecks Studium im Ausland, und als er kaum da war, riss eines seiner Kreuzbänder. Mittelfeldmotor Maximilian Menier war monatelang beruflich in Mexiko. „Und dann sind immer mehr Defensivleute ausgefallen“, seufzt Pleier. In der Tat musste die Abwehr fortwährend umgestellt werden und leistete sich prompt böse Patzer. Zu allem Unglück stand auch Stammkeeper Felix Müller wegen seiner Ausbildung bei der Polizei nur in gut der Hälfte der Partien zur Verfügung.

Fast drei Gegentore im Schnitt sind zu viel, hingegen können sich 59 eigene Treffer sehen lassen – das ist einer mehr, als der sonntägliche Gegner, der immerhin Platz sieben belegt, bis zum finalen Spieltag zustande brachte. Und das trotz eines Torben Desch, der schon dreimal Kreisoberliga-Torschützenkönig war. „Aber auch er war lange verletzt“, sagt sein Vater, der trotz brütender Hitze den Weg von der Bergstraße an den Rhein auf sich genommen hat. Der Concordia-Torjäger heißt Marcel Eckhardt, ist der Sohn des einst ebenfalls höchst torgefährlichen Georg Eckhardt, übrigens einige Jahre Gernsheims Coach und hat bis zum Sonntag schon 18 Mal getroffen. „Er fühlt sich hier sehr wohl. Er würde bleiben, auch wenn wir absteigen“, denkt Pleier.

Das mit dem Abstieg hatte sich gegen 17 Uhr übrigens erledigt, weil einerseits Gernsheim in einem beeindruckenden Schlussspurt seine Partie noch drehte und mit 3:2 siegte – Eckhardt glückte dabei sein 19. Tor – und weil sich andererseits die SG Arheilgen mächtig ins Zeug legte und dem viele Jahre weit höher spielenden Lokalrivalen beim 5:1 so richtig zeigte, wer der neue Herr im Hause Arheilgen ist.

Entlastung für Michael Pleier

Ein Concordia-Neuzugang stand im Übrigen schon fest, unabhängig in welcher Klasse die Erste 2018/19 gespielt hätte: Der 55 Jahre alte Aktan Ak, zuletzt Coach des B-Ligisten TSV Nieder-Ramstadt, wird den neu geschaffenen Posten eines Sportlichen Leiters bekleiden und damit zu Michael Pleiers Entlastung beitragen, der im sportlichen und organisatorischen Bereich bislang eine Art Mädchen für alles war. „Ak kennt sich im Darmstädter Raum bestens aus und wir sind auch darauf angewiesen, von dort mal Blutauffrischung durch Spieler zu bekommen“, sagt der ein Jahr jüngere Pleier, der Gernsheim – am südlichen Ende eines Landkreises und durch den Rhein trotz Fähre von Rheinland-Pfalz getrennt – oft ein wenig isoliert sieht.

Ak und Pleier sind sich einig, dass der Kader größer werden muss, um Verletzungen besser wegzustecken. „18, 19 Mann, wie diesmal, sind einfach zu wenig“, sagte der Spielausschussvorsitzende, ehe er zu einer spontanen, kleinen Nichtabstiegsfeier aufbrach.

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